Kompostierung

Nachhaltig und praktisch: Kompost auf dem Balkon anlegen

Gartenmagazin

Wegwerfen war gestern: Küchenabfälle sind eine ideale Quelle für Dünger. Einfach Kompost auf dem Balkon anlegen und schon hast du eine ökologisch einwandfreie Zweitverwertung für viele organische Reste.

Eigenen Dünger herstellen

Wohl jeder Pflanzenfreund kennt die großen Tonnen oder offenen Holzkisten, in denen Abfälle aus Küche und Garten draußen verrotten und zu wertvollem Humus werden. Voller Nährstoffe und in ausreichender Menge vorhanden, macht er gekauften Dünger überflüssig. Das Gute: Auch auf dem Balkon lässt sich Kompost anlegen. Dafür sind nur etwas Platz und ein paar Utensilien nötig.

Das brauchst du für deinen Kompost auf dem Balkon:

  • einen Behälter (Tonne) mit Deckel und mindesten 75 Litern Fassungsvermögen
  • einen Untersetzer zum Auffangen von Flüssigkeit
  • zwei Kanthölzer
  • vier Ziegelsteine
  • Äste, Zweige und Blätter
  • Steinmehl
  • etwas fertigen Kompost

Kompost auf dem Balkon anlegen: So geht's

Zuerst brauchst du einen Behälter, in dem du später aus Küchenabfall oder sonstigen organischen Resten wie Pflanzenschnitt reichhaltigen Humus zauberst. Am einfachsten nimmst du dafür eine Tonne aus Plastik mit einem Fassungsvermögen von mehr als 75 Litern. Das reicht, um die Abfälle eines Kleinhaushalts zu verwerten. So ein Kompostierer aus Kunststoff hält etwa fünf Jahre. Du kannst auch zu einem anderen Material greifen, solange es nicht aus korrodierendem Metall ist. Rost überträgt nämlich Giftstoffe in die Rotte.

Wichtig sind Löcher im Boden und am unteren Rand des Behälters, damit in seinem Innern Sauerstoff zirkuliert und sich kein unangenehmer Geruch ausbreitet. Hat er keine, dann musst du welche bohren. Der Abstand von Loch zu Loch sollte etwa fünf Zentimeter betragen. Je nach Größe der Tonne kannst du am Rand mehrere Reihen mit Öffnungen übereinander schaffen. Eine Faustformel gibt es dafür allerdings nicht.

Der richtige Unterbau

Nun steht die Basis auf der To-do-Liste. Die baust du dir aus dem Untersetzer, den Steinen und den Kanthölzern. Der Untersetzer muss einen größeren Umfang haben als die Tonne und etwas niedriger als die Ziegelsteine sein. Du stellst ihn auf den gewünschten Platz und positionierst die Steine rechts und links um ihn herum. Zwei hinten, zwei vorne. Achte darauf, dass an einer Seite so viel Platz bleibt, dass du den Untersetzer bei Bedarf einfach herausziehen kannst. Nun legst du die beiden Kanthölzer auf die Ziegel. Und zwar so, dass du die Tonne standsicher auf ihnen abstellen kannst. Warum dieser Aufwand? Aus mehreren Gründen. Zum einen ist durch den Abstand zum Boden der Luftaustausch gewährleistet. Zum anderen wird immer wieder Flüssigkeit aus der Tonne tropfen. Die fängst du in dem Untersetzer auf. Hat sich darin eine gewisse Menge gesammelt, holst du ihn unter der Konstruktion hervor, gießt ihn aus und schiebst ihn dann wieder an seinen Platz.

Wie du bereits bemerkt hast, ist eine gute Belüftung zum Anlegen von Kompost auf dem Balkon vonnöten. Deshalb befüllst du die Tonne jetzt bis zum oberen Rand der Löcher locker mit unterschiedlich dicken, grob geschnittenen Ästen. Darauf kommt eine dünne Lage aus Zweigen und Blättern. Zum Schluss der Bauarbeiten legst du den Deckel oben drauf. Damit der bei Wind nicht abhebt, solltest du ihn zum Beispiel mit einem weiteren Ziegel beschweren. Nun ist dein Kompostierer auf dem Balkon fertig und aufnahmebereit.

Composting

Auf den Inhalt kommt es an

Fragt sich nur, was reinkommt. Am besten ein Mix aus feuchten, trockenen, feinen und groben Bestandteilen, sodass daraus eine lockere Menge wird. Empfehlenswert ist die Beigabe von Steinmehl sowie von etwa drei Prozent bereits fertigen Komposts als Starthilfe. Denn er enthält bereits jene Mikroorganismen und Würmer, die den Prozess der Verrottung übernehmen. Wichtig: Die Zutaten müssen möglichst kleinteilig sein. Ganze Kartoffeln oder Zwiebeln sind deshalb nicht zu gebrauchen. In fein geschnittener Form aber schon, weil sie dann schneller verrotten. Du musst also alle Zutaten vor dem Kompostieren mit dem Messer bearbeiten oder durch einen Häcksler schicken.

Gut geeignet sind zum Beispiel:

  • Äpfel und Apfelschalen
  • Bambus
  • Bananenschalen
  • Blumenerde
  • Blumenkohl
  • Blumensträuße
  • Brot
  • Eierschalen
  • Heckenschnitt
  • Holzhäcksel
  • Kaffeesatz
  • Kartoffeln und Kartoffelschalen
  • Laub, Blätter und Nadeln
  • Müsli
  • Nussschalen
  • Pilze
  • Rasenschnitt
  • Schokolade
  • Steinmehl
  • Teebeutel

Nicht geeignet sind zum Beispiel:

  • Blumendünger
  • Blumentöpfe aus Ton und Plastik
  • Fritieröl
  • Karton
  • Kerzenreste
  • Leder
  • Muschelschalen
  • Staubsaugerbeutel
  • Tierkot
  • Watte
  • Windeln
  • Zeitungen
  • Zigaretten

Die Mischung macht's

Willst du Kompost auf dem Balkon anlegen, so kommt es neben dem Zerkleinern der geeigneten Bestandteile, auch auf deren richtige Mischung an. Ideal ist ein Cocktail aus weichen, feuchten eiweißreichen sowie harten, trockenen und kohlenhydratreichen Stoffen. Eine Faustformel für die optimale Zusammensetzung lautet: 60 bis 80 Prozent feuchte und nährstoffreiche Materialien mit 20 bis 40 Prozent trockenen und nährstoffarmen mischen. Zur ersten Kategorie gehören Nahrungsreste und Gartenabfälle wie Rasenschnitt, zur zweiten holziger Abraum (Äste, Zweige, Heckenschnitt), Laub und Nussschalen.

Von entscheidender Bedeutung ist zudem die richtige Balance zwischen Nässe und Trockenheit. Ist die Feuchtigkeit zu hoch, dann verklebt das Material, zirkuliert der Sauerstoff nicht mehr und fault der Kompost. Ist dieser hingegen zu trocken, stoppt der Verrottungsprozess. Idealerweise fühlt sich das Material wie ein ausgedrückter Schwamm an.

Immer schön locker bleiben

Damit die Konsistenz dabei locker bleibt, solltest du die Masse regelmäßig umheben. Das unterstützt die Versorgung mit Sauerstoff. Und warum ist der so wichtig? Weil ihn die Mikroorganismen und Würmer brauchen, die in dem Kompost die Hauptarbeit leisten. Sie verarbeiten und zersetzen die Abfälle aus Küche und Garten zu Kohlendioxid, Wasser – und dem gewünschten, nährstoffreichen Humus.

Deshalb bedürfen sie der Hege und Pflege, da sie sonst eingehen. Besonders im Winter. In großen Komposthaufen im Garten mit mindestens drei Kubikmetern Inhalt entstehen Temperaturen von 50 bis 60 Grad Celsius. Das tötet zum einen Krankheitskeime ab und hält zum anderen die Nützlinge schön warm. Beim Kompost auf dem Balkon passiert das nicht, da die vorhandene Menge dafür zu gering ist. Deshalb solltest du die Tonne bei Minusgraden zum Beispiel mit Luftpolsterfolie einwickeln und so gegen Frost schützen.