Balkon

10 Tipps für einen schöneren Balkon und eine gemütliche Dachterrasse


Gartenmagazin

Interview mit Arne Niehaus von „Die Balkongestalter“

Seit 2014 gibt es „Die Balkongestalter“, ein kreatives Duo bestehend aus Christina Setzer und Arne Niehaus (Foto).

Die beiden machen mit ihrem Gestaltungsservice Balkone und Terrassen schön gemütlich und unterstützen dabei je nach Kundenwunsch mit wenigen Handgriffen bis hin zu geschlossenen Konzepten – national und über die Landesgrenzen hinaus.

Wie Sie Ihren Balkon oder Ihre Dachterrasse verschönern können, erfahren Sie im Interview mit Arne Niehaus zu den 10 wichtigsten Gestaltungsfragen.

Wie bereitet man sich am besten auf die Gestaltung des Außenbereichs vor? Was muss man bedenken?

Arne Niehaus: Ein ganz großer Tipp ist, den Dreiklang von Nutzung, Farbwünschen und Ausstattung zu bedenken.

Als Vorbereitung für die Balkongestaltung sollte man sich Gedanken machen: Wie nutze ich meinen Balkon bisher? Wo sehe ich Verbesserungsmöglichkeiten? Was möchte ich in Zukunft anders machen? Und diese Nutzung impliziert dann auch eine Möblierung, wofür man Raum und Größe beachten muss, z. B. in Form von Doppelfunktionsmöbeln.

Wenn man die Nutzung geklärt hat, kann man sich als zweiten Punkt überlegen, welche Farbwünsche habe ich? Damit kann man ein Layout bzw. eine Flächenplanung anlegen.

Der dritte Punkt wären Produkte und Pflanzen: Wie setze ich Pflanzen ein – eher dekorativ als Farbtupfer, wenn ich bei allen anderen Dingen schlicht bleibe? Es ist also ein Dreigestirn aus Abfrage der Nutzung, Verhältnismäßigkeit der Location und am Ende Produkte und Pflanzen.

Zu bedenken ist darüber hinaus z. B. die Ausrichtung des Balkons. Das ist wichtig, wenn man in die Pflanzenwelt eintaucht. Welche Pflanzen mögen Sonne? Welche bevorzugen Schatten? Dafür kann man die verschiedensten Pflanzen einsetzen.

Auch architektonische Besonderheiten sind zu bedenken. Ich bin immer ein Freund davon, eine vorhandene Überdachung zu nutzen. Damit kann man Dinge abhängen und mit Blumenampeln und Rollos andere Arten von Sonnenschutz einsetzen, da meist Platzmangel auf Balkonen herrscht. Natürlich ist auch wichtig zu beachten, ob der Balkon sehr windig ist – dann muss man sich den Verhältnissen anpassen und auf weniger hohe Objekte setzen.

Wo findet man tolle kreative Ideen und Inspirationen?

Arne Niehaus: Wir Profis natürlich oft auf Hersteller- bzw. Produktseite, weil wir sozusagen kleine „Trüffelschweine“ sind (lacht).

Ganz oft hören wir die Vorstellung, den Balkon zur Oase zu machen, er soll einem Strand- und Urlaubsfeeling vermitteln. Wenn man also in den Urlaub fährt, kann man sich vor Ort ganz tolle Ideen holen – das muss nicht mal der Mittelmeerurlaub sein, auch anderswo kann man ganz viel sehen.

Kreative Ideen für den Balkon

Aus dem Urlaub nehme ich persönlich oft Eindrücke mit, die ich in meine Arbeit einfließen lasse oder als Gestaltungstipp empfehlen könnte. Ob das z. B. besondere Materialien in Beachclubs sind, interessante Farbzusammenspiele oder die Zweckentfremdung von Dingen, die zum Sitzmöbel werden. Der Urlaub ist eine gute Quelle!

Was für Trends gibt es aktuell?

Arne Niehaus: Wir erkennen schon seit längerem, dass man auch im Outdoorbereich ganz viel über Textilien machen kann. Da gibt es mittlerweile die tollsten Produkte! Diese Outdoor-Stoffe müssen Features haben wie z. B. Schimmelresistenz, UV-Beständigkeit und Selbsttrocknung. Es wird aber auch immer dekorativer, schöner und sinnlicher. Outdoor-Textilien sind für mich ein ganz großes Thema.

Beleuchtung auf dem Balkon

Gibt es ein „Must have“ für den Balkon?

Arne Niehaus: Im Grunde sind natürlich Pflanzen Stimmungsmacher, aber es ist ganz oft auch Licht.

Für mich wäre ein Must have auch eine LED-Leuchte, die ich portabel mal hinstellen, mal hinhängen oder als Funktionsleuchte und Stimmungslicht benutzen kann.

Natürlich sind Kerzen und offenes Feuer toll, auf Balkonen aber auch mit Vorsicht zu genießen. Mein Tipp wäre in jedem Fall, sich auf die Beleuchtung zu konzentrieren.

Und wie findet man den richtigen Style für sich?

Arne Niehaus: Viele Kunden geben uns Schlagworte wie „den Wohnraum zu erweitern“. Man kommt von innen und geht nach außen. Im Grunde kann sich also der Stil, der drinnen herrscht, draußen wiederholen.

Wir geben oft den Rat: Sei mutiger! Nimm eine fröhlichere Farbe als drinnen, wenn auch nur für die Bepflanzung – das hat auch schon einen Effekt. Man soll sich wiederfinden und wohlfühlen. Und mutig sein!

Wie holt man das Meiste aus einem kleinen Balkon?

Arne Niehaus: Da gebe ich ganz klar den Tipp, sich im Vorfeld zu überlegen: Wie nutze ich den Balkon? Und sich dann auch wirklich zu reduzieren. Man sollte nicht an die Oma oder den Nachbarn denken, der vielleicht mal vorbei kommt oder an größere Grillpartys. Der Balkon ist dein Balkon! Deiner und der des Partners bzw. der Partnerin.

Oft werden Balkone eher alleine oder zu zweit genutzt. Daraufhin würde ich gestalten, möblieren und das Konzept entwickeln. Viele neigen dazu, sich das offen zu halten für acht Gäste, die vielleicht nie kommen.

Kleiner Balkon

Für einen kleinen Balkon muss man die Fläche konzentriert belegen, über Möblierung und Produkte z. B. Doppelfunktionen rauszuholen. Eine Stauraumkiste kann auch eine schöne Sitzmöglichkeit sein. Weniger ist dann oft auch mehr!

Bei kleinen Balkonen würde ich auch darauf verzichten, den Boden besonders zu belegen, keine Töpfe am Boden zu stellen, sondern doch eher hängende vertikale Geschichten. Vertikale Gärten sind ein Riesenthema, was man so vielleicht noch nicht kennt.

Und wie nutzt man den Platz auf größeren Balkonen oder (Dach-)terrassen am besten?

Arne Niehaus: Auch hier würde ich psychologisch vorgehen. Unser Leitspruch ist oft: Wir verbessern was nicht so gut ist und erhalten,
was gut ist.

Und wenn Platz da ist, sollte man den auch behalten und nicht vollstellen. Was sich anbietet im Gegensatz zu kleinen Balkonen ist nicht nur die Doppelnutzung im Produkt, sondern auch der Fläche. Man teilt die Fläche also z. B. in eine Lounge-Area und einen Essensbereich. Dazwischen sollten aber Wege frei bleiben oder Freiflächen eingeplant werden.

Größe soll nicht heißen, ich kann da ganz viel machen. Größe kann man als Freifläche auch behalten. Mit Textilien kann man hier viel erreichen,
z. B. kann man eine große Fläche mit einem Outdoorteppich und wenig Möbeln schön und gemütlich gestalten.

Was für Sichtschutzmöglichkeiten gibt es, z. B. auch für wenig Raum und zugige Plätze?

Arne Niehaus: Sichtschutz ist ein riesen Thema, besonders weil in urbanen Verhältnissen dicht an dicht gelebt wird. Es gibt da ganz viele Möglichkeiten. Bei uns hat sich herausgestellt, dass wir den Sichtschutz meistens über natürliche Lösungen, also Pflanzen, erreichen wollen.

Eine Pflanze, die sich dafür besonders eignet, ist Bambus. Das ist nicht neu und nicht innovativ, im Einsatz aber dann doch wunderbar vielseitig und flexibel. Als Pflanzgefäße eignen sich weniger tiefe, aber etwas höhere Gefäße ab 40 bis 80 cm.

Im Prinzip hat man dann rechteckige Tröge, die man mit einer dicht wachsenden Bambussorte bepflanzt. So hat man Wind-, Sonnen- und Sichtschutz und sogar ein schönes Geräusch, wenn die Blätter im Wind rascheln.

DIY-Balkondeko

Welche Tipps habt ihr für kleine Budgets?

Arne Niehaus: Auch hier gilt das Motto: Was ist schon da? Was soll bleiben? Was kann verbessert werden?

Bei ein paar Projekten haben wir auch manches über Do it yourself gemacht. Wenn man z. B. einen alten kleinen Holztisch hat, kann man den neu streichen und in das neue Farbkonzept einpassen, sodass er ganz anders wirkt.

Kleine Budgets implizieren mehr Einfallsreichtum. Man kann aber ganz viel DIY lösen und erst mal sehen, was man schon hat, mit was man arbeiten kann und was für draußen geeignet ist.

Müssen Mieter besondere Vorschriften beachten?

Arne Niehaus: Unser Rat ist sich vorab zu informieren, gerade wenn es um bauliche Maßnahmen geht.

Erstens ist es eine Geldfrage und vielleicht übernimmt der Vermieter auch neue Böden, bauliche Veränderungen oder Renovierungen. Da würde ich mich immer vorher schlau machen, zu was der Vermieter bereit ist bzw. was auch seine Pflicht ist.

Ansonsten würde ich vermeiden, in Außenwände zu bohren. Es ist eh schöner, wenn man flexible, mobile Lösungen nutzt.