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Warum blühen meine Apfelbäume nicht richtig?

Gartenexperte

Ich habe eine Frage meine drei Apfelbäume betreffend. Es handelt sich um die Sorten „Gravensteiner“, „Cox Orange Renette“ und vermutlich „Holsteiner Cox“. Letztes Jahr blühten alle drei Bäume reichlich, hatten dementsprechend viele Fruchtansätze. Laut Empfehlung entfernte ich etliche Fruchtansätze, damit sich die übrigen Früchte besser entwickeln können.

Leider wiesen zahlreiche Äpfel faulige Stellen auf bzw. waren komplett faulig und das trotz regelmäßiger Kontrolle! Die Äpfel waren auch kleiner als die Jahre davor! Dieses Jahr blühte nur der "Gravensteiner" (sehr wenige Blüten im Vergleich zu den Vorjahren), die beiden anderen Bäume hatten nicht eine einzige Blüte! Beide Bäume haben nur Blätter entwickelt, wobei ein Baum sehr viele Wassertriebe hat. Was ist mit den Bäumen passiert?

Die Antwort des GARDENA Gartenexperten

Mit der „Cox Orange Renette“ und dem „Holsteiner Cox“ haben Sie zwei Apfelsorten gewählt, die zwar lecker schmecken, die aber im Hausgarten doch einige Herausforderungen an den Obstbaumschnitt stellen, damit sie regelmäßig tragen - speziell beim sehr schwach wüchsigen „Holsteiner Cox“. Auch der „Gravensteiner“ ist bekannt dafür, dass bei ihm fruchtreiche Jahre mit fruchtarmen wechseln (so genannte "Alternanz"). Von den Befruchtungsverhältnissen her betrachtet, sollte Ihr Triple allerdings funktionieren. „Holsteiner Cox“ ist ein schlechter Pollenspender, aber die „Cox Orange Renette“ gilt demgegenüber weithin als "Universalbefruchter". In blütenreichen Jahren ist auch der "Gravensteiner" hinlänglich Pollenspender.

Reichlich Fruchtansätze auszudünnen ist für die Ausbildung qualitativ höherwertiger Einzelfrüchte zunächst einmal richtig. Man macht das aber erst nach dem so genannten Junifruchtfall, bei dem der Apfelbaum sich zunächst einmal selbst putzt. Erst dann kann man zuverlässig erkennen, ob man noch weiter ausdünnen muss, oder nicht. Falls ja, reduziert man Trauben mit mehr als zwei Früchten auf ein bis zwei Früchte pro Traube, alle ca. 20 cm am Zweig. Faustregel: Etwa 35 Blätter ernähren einen Apfel. Muss man aber nicht zu akademisch vorgehen!

Wenn nun die verbliebenen Äpfel kleiner als üblich waren (die beiden Coxe sind eh kleinfruchtige Sorten), dann war möglicherweise der Behang noch zu groß, die Ernährungslage schlecht oder auch das Wetter nicht zuträglich. Die Ernährungslage der Bäume verbessern Sie durch passende Düngung: etwa ein bis zwei Liter Kompost pro Quadratmeter im Traufenbereich der Krone einarbeiten. Da Fäulnis auftrat gilt es zu prüfen, ob das durch Pilzbefall infolge von Verletzungen der Früchte (z. B. durch Fraßinsekten wie Apfelwickler, aber auch durch Risse infolge Schorfbefalls) aufgetreten ist. Unbesehen, vermute ich Monilia-befall, wie er in der Reifephase der Früchte häufiger auftritt. Insofern kontrollieren Sie mal auf Befall mit Apfelwickler und/oder Apfelschorf. Diese beiden können Sie bekämpfen, Monilia selbst nicht direkt.

Die nur geringe Blütenzahl heuer dürfte einer oben genannten Alternanz geschuldet sein. Und die Vielzahl der Wasserschosse deutet mir darauf hin, dass Sie beim Ausdünnen letztes Jahr etliche Kurztriebe abgebrochen haben, an denen die Blütentrauben hingen. Deren Basis reagiert dann gerne mit Wasserschossbildung. Auch unsachgemäßer Apfelbaumschnitt kann Ursache dafür sein. Brechen Sie diese Wasserschosse am besten schon im Entstehen aus. Das können Sie auch noch Anfang Juli machen. Wichtig: nicht abschneiden, sondern tatsächlich samt Triebbasis ausbrechen.