Zur Verbesserung unseres Internetangebots setzen wir Cookies ein. Sofern Sie unser Internetangebot weiter nutzen, stimmen Sie einem Einsatz von Cookies und der Verwendung Ihrer mit Hilfe der Cookies erhobenen personenbezogenen Daten zu. Weitere Informationen zum Einsatz von Cookies können Sie der folgenden Informationsseite entnehmen. Hinweise zum Einsatz von Cookies

Indian summer

Wenn sich im Spätsommer die Blätter färben und die tief stehende Sonne durch die Bäume schein, herrscht in Wald und Flur eine ganz eigene Atmosphäre. Besonders schöne Momente eröffnen sich im Spätsommer allerdings in den USA - genauer gesagt in den Staaten Neuenglands. Denn wenn dort ab Ende September die Blätter von Ahorn und Eichen in allen Farben und Nuancen von Gelb und Rot schimmern, beginnt hier der berühmte Indian Summer. Nirgendwo anders auf der Welt ist dieses einzigartige Naturschauspiel von Herbstlaub so intensiv zu betrachten, wie hier.

Feurige Wälder

Egal ob Rot, Gelb, Orange oder Ocker – in den Wäldern von Neuengland explodieren die Farben der Ahorn-, Eichen- und Erlenbäume während des Indian Summers förmlich. Warum aber ist die sogenannte „Fall Foliage“, also die Laubverfärbung, gerade im Nordosten der USA so intensiv zu beobachten? Die Antwort ist ganz einfach. Auch in Westeuropa erstrahlen die Wälder im Herbst mit ihren rund 50 Baumsorten in den schönsten Farben. In den Wäldern Neuenglands aber, finden demgegenüber über 800 Baumarten ihr zu Hause, die jeweils mit dafür sorgen, dass während des Indian Summers die Wälder scheinbar wie in lodernden Flammen aufgehen. Dabei ist es gar nicht so einfach, den richtigen Zeitpunkt zu finden, um das einzigartige Farbenspiel der Bäume im nachlassenden Sonnenlicht vor Ort betrachten zu können.

Geeigneter Zeitpunkt

Die Laubverfärbung des Indian Summers zieht bereits Ende September in den Wäldern ein und kann teilweise sogar bis Mitte November beobachtet werden. Viele sogenannte „Leaf Peepers“, die „Blätter-Gucker“, warten aber auf einen ganz besonderen Moment des Farbspektakels - die „Peak Foliage“. Dieser farbige Höhepunkt lässt sich nur schwer prognostizieren, denn verschiedene Faktoren beeinflussen den von den „Blätter-Guckern“ ersehnten Moment. Abhängig davon, wie lang die Tage sind und wie viel Regen fällt, ob der Zuckergehalt in den Blättern eher hoch oder niedrig ist und wie hoch die Temperaturen sind, kann die volle Farbpracht in ihrer stärksten Ausprägung mal früher, mal später bestaunt werden. Dieser einzigartige Moment dauert dann meistens nur wenige Tage an. Um diesen keinesfalls zu verpassen, informiert das Department für Energie und Umweltschutz auf seiner Webseite über den genauen Ablauf des Indian Summers. (vgl. http://www.depdata.ct.gov/forestry/foliage/foliagemap.html ). Aber auch eine extra eingerichtete „Laubverfärbungs-Info-Hotline“ bietet rund um die Uhr Informationen über den Stand des Farbenwechsels. Am Frühesten ist der Indian Summer im Norden der Neuenglandstaaten zu beobachten und breitet sich dann nach und nach in Richtung Süden aus. So beginnt er in Maine beispielsweise bereits in der letzten Septemberwoche und färbt dann in den folgenden Tagen und Wochen die Wälder in New Hampshire und Vermont über Massachusetts bis in das südlich gelegene Connecticut und Rhode Island.

Warum „Indian Summer“?

Diese Frage kann bis heute nicht eindeutig beantwortet werden, denn um den Ursprung des Begriffs Indian Summers kursieren die unterschiedlichsten Erklärungen. Eine davon beruht auf einer indianischen Mythologie. Einer indianischen Legende nach, fließt nämlich das Blut der erlegten Bären in das Erdreich und gelangt so über die Baumwurzeln in die Blätter, wo es für die rote Blattfärbung sorgt. Einer anderen Erklärung nach könnte der Begriff auch auf anderen indianischen Überlieferungen beruhen, denn diese nutzten angeblich den späten Herbst als Hauptsaison zum Jagen, da die milden Temperaturen zu dieser Jahreszeit die wilden Tiere noch einmal aus ihrem Unterschlupf locken. Aber auch von den Seefahrern könnte der Begriff geprägt sein, denn diese sollen zu dieser Jahreszeit ihre Schiffe beladen haben, um ihre Fahrt Richtung Indischer Ozean zu beginnen.

Und warum färben sich die Blätter?

Vor allem im Herbst hat sich sicherlich schon jeder Hobbygärtner einmal mit dieser Frage beschäftigt. Die satte, grüne Farbe der Blätter wird im Sommer durch den Blattfarbstoff Chlorophyll hervorgerufen. Wenn die Tage kürzer werden und die Temperaturen sinken spüren die Bäume, dass es an der Zeit ist, sich auf den Winter vorzubereiten. Aber warum? Über die Blätter würde der Baum im Winter viel Wasser verlieren. Wenn dann der Boden gefroren ist, wäre es für die Bäume nur schwer möglich, sich mit ausreichend Feuchtigkeit zu versorgen. Die Lösung: Der Baum trennt sich im Winter von seinen Blättern, um weniger Feuchtigkeit zu verlieren. Dafür wird das Chlorophyll in den Blättern abgebaut und speziell in den Wurzeln als "Baumaterial" für das kommende Frühjahr eigelagert. Ist das Blattgrün dann erst einmal dem Laub entzogen, kommen andere Blattfarbstoffe zum Vorschein, die bis dahin vom Chlorophyll überdeckt worden waren. So kommt die einzigartige Laubverfärbung der Blätter und Bäume zu Stande. Und der schlussendliche Laubfall? Sobald dann kein Chlorophyll mehr in den Blättern vorhanden ist, bildet sich zwischen dem Blattstiel und seinem Ansatz am Zweig eine die spätere Blattnarbe verschließende Korkschicht. Ist sie fertig ausgebildet, gibt´s für das abgestorbene Blatt kein Halten mehr: Die Herbstwinde wehen sie aus den Baumkronen, sie fallen zu Boden und vergehen dort zu nahrhaftem Humus.
Mit diesem ebenso umfangreichen wie interessanten Prozess schafft es die Natur alljährlich, sich selber vor den Folgen der frostigen Jahreszeit zu schützen - und beschert uns zugleich einen unvergesslichen Anblick bunter Wälderteppiche. 

Foto: © mdbrockmann82

Kommentare