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Schosse am Süßkirschbaum

Frage von: Dr. Klaus S.

Sehr geehrter Herr Kötter, recht herzlichen Dank für Ihren Tipp bezgl. Feigen-Rückschnitt. In meinem großen Garten steht ein alter Süßkirschenbaum, Hochstamm. Wie Sie an Hand des Bildes erkennen können, hat er zahlreiche, senkrecht stehende "Schosse" gebildet, die ich gerne zurücksetzen möchte. Welchen Tipp können Sie mir dazu geben, Zeitpunkt evtl. im August günstiger als im Winter? Recht herzlichen Dank und freundliche Grüße!

GARDENA Gartenexperte:

Engelbert Kötter

Engelbert Kötter

GARDENA Gartenexperte

Der GARDENA Gartenexperte:

Das von Ihnen zugemailte Bild ist in gewisser Weise typisch, lieber Herr Dr. S., als dass hier vor etwa sechs bis acht Jahren mal jemand den Leittrieb aus dem Kirschbaum entfernt hat, um ihn kleiner zu halten. Eben typisch ist dann regelmäßig, dass der Baum mit solchen kräftig austreibenden Wasserschossen reagiert und zum Pinsel wird.
 
Vermieden werden hätte das können, indem die Baumkrone rundum gleichmäßig um das gewünschte Maß zurückgeschnitten worden wäre oder indem man darauf achtet, welche Veredelungsunterlage der Kirschbaum hat, denn die bestimmt seine Größe. Es gibt inzwischen schwach wüchsige Kirschbäume für den Garten, die reich fruchten und dennoch nur rund vier Meter hoch werden. 

Aber das ist in Ihrem Garten Vergangenheit. Machen Sie nun im März bitte folgendes: Definieren Sie dem Baum einen neuen Leittrieb. Reduzieren Sie den möglichst mäßig, aber auf das gewünschte Maß. Alle anderen senkrechten Triebe kürzen Sie vom Leittrieb ("innen") aus betrachtet und nach außen hin leicht zunehmend kürzer so ein, dass die Krone wieder weitestgehend ihre halbrunde Form erhält. Von der Leittreibspitze ausgehend, werden Sie zum Kronenrand hin um etwa den Winkel 35 Grad flacher.
Dabei können Sie auch bereits damit beginnen, etwa ein Drittel der Wasserschosse ganz zu entfernen. Im Laufe der nächsten wenigen Jahre entfernen Sie die Wasserschosse so weit, dass nur noch die für den Kronenaufbau relevanten Triebe verbleiben. Das werden nur ein paar wenige sein und diese werden mit der heuer wie empfohlen eingeleiteten neuen Spitzenförderung der Krone (i.e. Leittrieb belassen und Randbereiche dem unterordnen) auch "ruhiger" werden, also nicht mehr so massiv austreiben. 

Ganz ausschließen werden Sie die Wasserschossbildung anfangs nicht können. Zunächst nämlich, muss sich die Krone unter neuer Spitzenförderung neu sortieren. Sie können aber die ab Mai in der Krone erkennbaren neu sich bildenden Wasserschosse frühzeitig ausbrechen bzw. im krautigen Zustand herausreißen (nicht abschneiden, sonst kommen immer mehr Wasserschosse!). das reduziert die Neubildung erheblich. 

Es wird etwa drei, vier Jahre brauchen, bis Sie die Baumkrone wieder im Griff haben werden. Um sie währenddessen nicht zu groß werden zu lassen, kürzen Sie die Krone künftig wirklich besser nicht einfach nur in der Höhe, sondern gleichmäßig rundum ein, mit der Leittriebspitze und dem 35 Grad-Winkel als grobem Maß. 

Einen "verschnittenen" Kirschbaum (als ein Steinobst, der er ist) zu renovieren ist übrigens schwieriger, als beim Kernobst. Kirschbäume reagieren auf zu starken Beschnitt nämlich häufig mit Gummifluss (zähe, bräunliche Masse tritt aus). Das läutet dann das allmähliche Ende des Baumes ein. Kirschbäume schneide ich daher immer nur sehr mäßig und verteile größere "Operationen" lieber auf mehrere Jahre. 

Noch ein abschließender Tipp, Dr. S.: Achten Sie bei der Schnittführung darauf, dass Regenwasser von den zahlreichen Schnittwunden zügig abfließen kann. Es sollte dort mittelfristig nicht zu faulenden Wunden kommen. Die sieht man schlecht, sie entwickeln sich aber zu "Sollbruchstellen", wenn man die Leiter an den Ast lehnt bzw. wenn man beim Ernten oder Baumschnitt auf den Ästen herumläuft.

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