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Was Sie schon immer über Zitruspflanzen und ihre Überwinterung wissen wollten

Kaum herbstet es, und schon kursieren auch bereits wieder die ersten Erkältungskrankheiten. „ Komm, ich mach´ Dir eine heiße Zitrone!“, ist dann oft zu hören und immer wieder erlebe ich es, dass dann auch die Frage auftaucht.

Kann ich die Kerne aussäen und mir daraus ein Zitronenbäumchen ziehen?

Nun, wie bei allen Sämlingen, unterscheiden sie sich von der Mutterpflanze, weil sie eben auch eine genetische Vaterkomponente in sich tragen. Deswegen kann man Zitronen-Sorten, um sie zu erhalten wie alle Obstsorten letztlich nur veredeln. Dabei werden Zweige der gewünschten Sorte auf „ Wurzelspender“, so genannte Veredelungsunterlagen, aufgepfropft.

So können Sie also durchaus Samen von Zitruspflanzen erfolgreich aussäen, diese Pflanzen fruchten aber oftmals erst nach vielen Jahren und die Anzahl wie auch Qualität dieser Früchte ist ungewiss, weil niemand vor Ihnen die Auswirkungen der neuen Genkombination des Sämlings ausprobieren und darüber berichten konnte. Mitunter lassen sich bei Zitrus aber interessanter Weise einige Sorten offenbar auch über die Aussaat sortenecht vermehren. Hier lohnt das eigene Probieren. Das Keimen wird übrigens durch eine Kälteperiode der Samen (14 Tage in das Gemüsefach des Kühlschrankes bei 1-5° C legen) angeregt.

Ein Spaß ist es also allemal zu erleben, wie die Keimblätter der Zitrone sich aus der Aussaaterde schieben und so das Licht der Welt erblicken. Apropos Licht: Die Aussaat der Zitrussamen erfolgt sinnvoller Weise Ende Februar, Anfang März, wenn Licht und Tageslänge wieder zunehmen: hell und warm, bei Keimtemperaturen von konstant etwa 21-25 °C. Die Keimlinge benötigen einen sehr hellen Standort.

Überwinterung

Wie Sie welche Zitruspflanze am besten pflegen, erfahren Sie in einem weiteren GARDENA Newsletter-Special, im kommenden Frühjahr, zu Beginn der neuen Citrus-Freilandsaison.

Da jetzt aber in Bälde die Winterpflege von Citrus & Co. ansteht, will ich Sie dazu in diesem GARDENA Newsletter-Special explizit informieren:

Zitruspflanzen sind in der Überwinterung etwas heikel, das haben Sie sicher selbst schon erfahren. Oft werde ich gefragt, was man denn gegen den Blattfall machen kann, der sich gerade im Spätwinter gerne an der Pflanze einstellt, zumeist als Folge von Pflegefehlern.

Zum Verständnis der Pflanze

Vom Typus her ist die Gattung an tropisches und subtropisches Klima gebunden, erträgt aber auch mediterranes Klima, das im Winter bis auf die Frostgrenze und leicht darunter fallen kann. Für Ihre Pflegepraxis bedeutet das: Citrus braucht sehr viel Licht, im Sommer wie im Winter, so, wie am natürlichen Standort eben auch.

Licht und Temperatur bedingen sich dabei gegenseitig, weil sie sowohl zusammen als auch - das ist die Tücke bei der winterlichen Zitruspflege - jeweils als Einzelfaktor den Stoffwechsel der Pflanze aktivieren. Im Klartext: Je heller die Pflanze steht, die Photosynthese also angeschmissen ist, desto wärmer braucht es die Pflanze auch, um ausreichend Stoffwechseln zu können. Je wärmer die Pflanze steht, der Stoffwechsel also angeschmissen ist, desto heller braucht es die Pflanze dann auch, um ausreichend Photosynthese betreiben zu können.

Läuft der Winterstoffwechsel der Pflanze auf Grund zu hoher Temperaturen im Winterlager durch (z. B., wenn die Pflanze in einem Wohnzimmer steht, womöglich noch hinter der Gardine), und hat sie dort nicht tropisch viel Licht (also Lichtmangel), dann verstoffwechselt sie folglich mehr Substanz, als sie mit der Photosynthese neu aufbauen kann - sie verzehrt sich demnach selber.

Andererseits gelingt es recht gut, die Pflanze sehr hell aufzustellen, sie aber durch kühlere Temperaturen (dazu zählt auch das frostfreie Lüften des Winterquartiers) dennoch in Winterruhe zu halten. Das liegt daran, dass der hellste Standort in unseren Breiten allemal eine Dunkelkammer ist, verglichen mit tropischen Lichtbedingungen, selbst im Winter. Für die Zahlenmenschen unter Ihnen: Ich habe heuer im Februar auf Sansibar um die Mittagszeit eine Helligkeit von 190.000 bis 210.000 lux gemessen. Um dieselbe Zeit in Deutschland waren es im Freien vielleicht gerade mal 10-15.000 lux. Ein sehr helles Winterquartier (wie ein Kleingewächshaus oder Florino) kommt dann gerade mal auf 10.000 lux und darunter. Ein übliches Winterquartier (oft gehört „Ich stelle sie immer in den kühlen Flur, ans Nordfenster, da ist es am hellsten“) kommt aber nur auf rund 1.000 lux, im Wohnzimmer eher 500 bis 800 lux. Sie merken: Unter solchen Bedingungen gibt es für die Zitruspflanzen im Überwinterungsquartier hierzulande mehr oder minder nur ein „Augen zu und durch“, wenn es um den Unterschied zwischen benötigter und tatsächlich zu bekommender Lichtmenge geht.

Kommen wir nach den Erläuterungen, die Ihrem besseren Verständnis dienen sollen, jetzt zurück zur Pflegepraxis.

Es haben sich drei Überwinterungsstrategien als tragfähig erwiesen

A.: Überwinterung beim Gärtner im Gewächshaus, oder daheim in einem Kleingewächshaus, Wintergarten oder z. B. Florino (wwww.florino.de)
B.: hell und kühl bei 5 bis max. 10 °C; den Raum oft lüften, bei warmer Sonneneinstrahlung [schon ab Ende Januar, speziell bei Südfenstern] schattieren
C.: sehr hell und warm bei ca. 16/18 bis 20 °C

Die Variante C ist die heikelste, weil sich solche Konditionen praktisch kaum darstellen lassen. Wir haben nun einmal hierzulande den oben aufgedröselten Lichtmangel und normale Wohnräume heizen wir wintertags auf mindestens 21 °C auf. Räume mit nur 16 bis 18 Grad, die verträglicher wären, sind bestenfalls nur gelegentlich genutzte Räume oder auch kühle Flure. Stellen Sie aber auch hier die Pflanzen immer nahestmöglich ans Fenster.

Apropos Temperatur:

Blattfall passiert auch oft deswegen, weil die Pflanzen zu nass stehen oder weil es einen gravierenden Temperaturunterschied zwischen Wurzeln und Laubwerk gibt: „Heißer Kopf und kalte Füße“, wie es der Gärtner nennt, oder „Heiße Füße und kalter Kopf“. Die selten bemerkte Ursache: Der Raum temperiert sich, die Pflanze erwärmt sich auf die Raumtemperatur von sagen wir 21 °C, der Topf steht aber auf einem kühlen Fußboden von nur 16 bis 18 Grad. Die kälteren Wurzeln arbeiten also langsamer als das warme Laub, die Pflanze gerät in Stress und wirft die Blätter. Abhilfe: Mit einem Pflanzenroller, einem gut unterlüfteten Pflanzgefäß mit Rollen als Bodenabstandshalter oder mit einer dicken Styrodur-Platte als Isolierung zwischen Boden und Topfboden für Abstand von der Kältequelle Fußboden sorgen.
Umgekehrter Fall: Die Pflanze steht auf der Fußbodenheizung, der Wurzelbereich heizt sich auf 20 bis 28 Grad auf und die Krone ist nur mit 18 bis 22 Grad temperiert. Auch hier: Stress der Pflanze, weil jetzt die Wurzeln aktiver als das Laub sind. Reaktion: Laubabwurf.

Das war nun bis hierher einiger Lesestoff für Sie, dessen bin ich mir bewusst, aber: Je besser Sie die Zitruspflanze und das Wirkungsgefüge auf sie während der Überwinterungsphase für sich begreifen, desto eher können Sie selbst damit jonglieren und für Ihre häusliche Situation die beste Überwinterungsstrategie entwickeln. Und sie können bei auftretenden Problemen schneller durch Handlungsalternativen reagieren.

Verhältnismäßig einfach sind diesen Licht-/Temperaturwechselwirkungen gegenüber die Dünge- und Gießstrategien im Winterhalbjahr:

Stellen Sie die Düngung von September bis Februar, bei kalter Überwinterung (oben genannte Variante B) von September bis März ein. Eisenmangel (grüne Blattadern, gelbe Blätter) behandeln Sie aber durch Gaben von Eisendünger.

Gießen Sie mit umgebungstemperiertem, kalkarmem Wasser. Kein hartes Wasser nehmen, es droht sonst Eisenmangel. In der wärmeren Überwinterung sehr angepasst und vorsichtig gießen, speziell Übernässung und Staunässe verhindern. Es werden mehr Pflanzen ersäuft, als vertrocknen! Bei kühler Überwinterung trockener halten, „leicht erdfeucht“ nennt das der Gärtner - der Erdballen soll nicht strohtrocken werden, die Pflanze aber auch nicht vertrocknen.

Lassen Sie die Pflanzen so lange wie möglich draußen und stellen Sie sie so früh wie möglich wieder ins Freie.

Gerade im Spätwinter und zeitigen Frühjahr können Sie die Pflanzen durchaus in frostfreien Perioden an einen geschützten Platz im Freien stellen, der sich aber nicht so sehr aufheizen darf, dass es zu starken Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht kommt, also z. B. nachts um 5 °C, tags 20-25 °C.

Vor dem Einräumen die Pflanzen noch mal gründlich säubern und dabei darauf achten, dass Sie tunlichst keine Schnecken oder Läuse mit überwintern. Sie können die Pflanze zu diesem Zeitpunkt erforderlichenfalls zurückschneiden. Sehr dichte Kronen lichten Sie etwas aus, damit mehr Licht hineinkommt. Ab Ende Januar kontrollieren Sie bereits wieder auf zunehmenden Schädlingsdruck, denn um diese Zeit sind bereits wieder Schildläuse unterwegs, auch erste Wollläuse. Als letztes melden sich die Blattläuse zurück, aber auch schon ab März.

Und jetzt wünsche ich Ihnen bestes Gelingen bei der Überwinterung Ihrer Zitruspflanzen!

Noch ein Tipp:

Wer lediglich ein kleines, hübsches Zitruspflänzchen pflegen möchte, dass auch wärmere, leicht weniger helle Plätze im Winter verträgt, wechselt von der Gattung Citrus auf Fortunella, die Kumquat!

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