Zur Verbesserung unseres Internetangebots setzen wir Cookies ein. Sofern Sie unser Internetangebot weiter nutzen, stimmen Sie einem Einsatz von Cookies und der Verwendung Ihrer mit Hilfe der Cookies erhobenen personenbezogenen Daten zu. Weitere Informationen zum Einsatz von Cookies können Sie der Datenschutzrichtlinie entnehmen. Cookies

Schädlingsbekämpfung - Lausige Zeiten

Jetzt krabbeln sie wieder: Blattläuse! Blattlaus ist dabei nicht einmal gleich Blattlaus. Die Grüne Pfirsichblattlaus, die Schwarze Bohnenlaus und die grüne Apfelblattlaus etwa, sind so unterschiedliche Arten, wie es Kohlmeise, Sperling und Buchfink untereinander sind.

Was Sie in diesem Special Ihres Gardena-Newsletters über die durchaus lästige Blattlaus erfahren, ist tatsächlich faszinierend und lässt die Tiere in einem neuen, spannenden Natur- und Garten-Kontext erscheinen. Aber es nützt nun einmal nichts: Wo Blattläuse im Garten Schaden verursachen, gilt es mitunter eben auch dagegen einzugreifen sei es vorbeugend, sei es behandeln. Und auch hierzu erfahren Sie hier daher hilfreiches.

Blattlausschäden sind facettenreich

Blattläuse schädigen vornehmliches junges Pflanzengewebe, indem sie Zellsaft aussaugen. Tricky dabei ist, dass sie währenddessen einen Giftstoff absondern, der die befallenen Blätter sich kräuseln lässt. Durch solche Blatthöhlenbildungen, wie sie an Triebspitzen dann leicht zu beobachten sind, werden die Läuse durch Gartenvögel und andere Fressfeinde schwieriger erreichbar, so dass möglichst immer ein paar Individuen zur Arterhaltung überleben.
So, wie das Pflanzenbesaugen durch Blattläuse die Pflanzen schwächt, führen die Folgeerscheinungen Triebspitzenkräuselungen zu Zweigdeformationen. Im Ziergarten, aber auch im Obstgarten, möchte man das überhaupt nicht, weil es hier jeweils um richtig geformte Gehölze geht – sei es aus ästhetischen Gründen oder solchen des Obstertrages.
Folgeschäden lösen Blattläuse auch dort aus, wo sie mit ihrem Speichel zusammen Viren in die Pflanze eintragen können, die dann ihrerseits noch einmal die Pflanze beeinträchtigen können. Gerade im Obstbau oder der professionellen Rosenkultur, können hier größere Schäden evoziert werden.

Blattläuse und die „weggeworfenen Lebensmittel“

Letztlich spielt auch der von Blattläusen erzeugte Honigtau eine beachtenswerte Rolle: Weil Blattläuse sich unter günstigen Umständen rasend schnell vermehren, brauchen sie dazu vor allem Eiweißstoffe.
Diese ziehen sie aus dem Pflanzensaft und scheiden aber die darin enthaltenen Kohlenhydrate, die Zuckerstoffe also, als so genannten Honigtau wieder aus. Das ist umso erstaunlicher, als Pflanzen ja schließlich der globale Zuckererzeuger schlechthin sind, den viele Tiere wie auch wir Menschen als Nahrungspflanze dazu nutzen, um für ihre Körper Eiweiße aufzubauen: Weswegen wir Pflanzen im Wesentlichen essen – die Blattläuse schmeißen eben das weitgehend fort!
Dieser Honigtau nun dient Ameisen (aber auch Fliegen) als Nahrung. Ameisen halten sich daher Blattläuse sogar vergleichsweise ähnlich dem, wie wir uns Kühe halten: Sie melken die Blattläuse um des Honigtaus willen. Dazu platzieren Ameisen Blattläuse gezielt auf Pflanzen, verteilen sie so im Garten und bewachsen und verteidigen sie sogar. 

Wo Ameisen Honigtau nicht verzehren, breitet er sich über von Blattläusen befallenen Pflanzen aus und wird in Folge von Russtaupilzen besiedelt, die ihn verzehren.
Das ist also der Zusammenhang, warum man unentdeckte Läuse auf Pflanzen oftmals erst im Spätstadium ausmachen kann, dann, wenn ein schwarzer Pilzüberzug über der Pflanze sie offenkundig macht.

Blattläuse – faszinierend fruchtbar

Vor dem Blick darauf, wie man Blattläuse wieder los bringt, hier noch ein kurzer Blick auf den überaus erstaunlichen Lebenszyklus der Tiere, der tatsächlich faszinierend ist: Blattläuse überwintern als Ei, weswegen diese im Erwerbsobstbau etwa schon in diesem Stadium bekämpft werden. Aus dem Ei schlüpft eine so genannte Stammmutter, die sich ungeschlechtlich (!) fortpflanzt. Dabei entstehen so genannte Blattlaus-Jungfern, meist unbeflügelt, aber auch beflügelt – letztere können leichter den pflanzlichen Wirt wechseln und sorgen so für beschleunigte Ausbreitung der Tiere in Natur, Land- und Forstwirtschaft und Garten. Auch diese Jungfern vermehren sich ungeschlechtlich. Erst zum Herbst hin entstehen aus den ausschließlich weiblichen Tieren, wiederum durch Jungfernzeugung, jetzt auch männliche Läuse. Diese paaren sich und mit der daraus resultierenden Eiablage der letzten Weibchengeneration des Jahres, zum Zeitpunkt des eigentlichen geschlechtlichen Generationswechsels also, entsteht das Winterei als Voraussetzung der Blattlausverbreitung im Folgejahr. 

Bei bis zu 50 Blattlausgenerationen pro Sommer und – pro Jungfer (!) bis zu sechs lebend geborenen Jungläusen am Tag ist es leicht vorstellbar, dass um 1027 Blattläuse pro Jahr aus einer Stammmutter entstehen können – eine Zahl, für die wir kaum mehr einen Namen haben! Dabei lebt die einzelne Blattlaus lediglich etwa fünf, sechs Tage. Bedenkt man, wie viele Jungvogelbruten, wie viele Ameisen-, Florfliegen-, Gallmücken-, Schwebfliegen- und Schlupfwespenlarven mit Blattläusen großgezogen werden, so wird deutlich, warum es diese gigantisch hohe Vermehrungsrate der Blattläuse in der Natur braucht, um selber als Art überleben zu können. Gleichzeitig wird erkennbar, warum in der nördlichen Hemisphäre die rund 450 Blattlausarten zu den wichtigsten Landwirtschafts-, Forst- und Gartenbauschädlingen gehören.

Was tun gegen Blattläuse?

Der Blick auf die Biologie der Blattläuse macht deutlich, dass es einer Sysiphus-Arbeit gleichkommt, Blattläuse im Garten bis auf das letzte Exemplar bekämpfen zu wollen. Hat man die womöglich letzte erwischt, kommt die nächste schon irgendwoher angeflogen – oder sie wird von Ameisen herbei getragen.

Beugen Sie Blattläusen vor, indem Sie sie zunächst einmal wo immer möglich aussperren. Die Belüftungsöffnungen von Kleingewächshäusern und Wintergärten lassen sich mit Gaze so verschließen, dass die Belüftung gewährleistet ist, Blattläuse aber durch die Gaze nicht hindurch kommen. Dasselbe Prinzip wenden Sie im Gemüsegarten an, wenn Sie Gemüse unter Vlies anbauen. Unter dem Vlies entsteht dabei nicht nur ein wachstumsförderliches Kleinklima, sondern mit dem Einsatz des Vlieses auch ein wirksamer Läuseschutz.
Stellenweise gibt es für den Hausgarten sogar schon blattlausresistente Sorten, wie etwa beim Salat. Solche Sorten können sie bevorzugt anbauen. Es sind dies im einzelnen diese Sorten, gegliedert nach Salaten (Quelle: Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Veitshöchheim):
Kopfsalat: ’Casanova’, ’Fiorella’, ’Irina’, ’Jiska’, ’Osaka’, ’Estelle’
Eissalat: ’Barcelona’, ’Bennie’, ’Fortunas’
Mini-Eissalat: ’Minas’
Eichblattsalat: ’Sirmai’, ’Smile’
Bataviasalat: ’Leny’
Lollo Bionda: ’Barman’, ’Lorenzo’
Lollo Rossa: ’Solsun’
Kraussalat: ’Bentley’

Auch bei Himbeeren im Garten, ebenfalls beliebten Blattlausopfern, können Sie – wenn schon keine Resistenz, so doch Toleranz – der Sorten gegen Blattläuse für sich nutzen. Es wird nämlich z. B. die alte Sorte `Schönemann´ häufiger von Blattläusen besiedelt als die moderneren `Rumiloba´ und `Autumn Bliss´.

So bekämpfen Sie Blattläuse wirkungsvoll: Über die Vorbeugungsmöglichkeiten hinaus, lassen sich Blattläuse natürlich mit verschiedenen Präparaten direkt bekämpfen. Hier gilt es, die Präparate nach den Kriterien Nützlingsschonung und Karenzzeit auszuwählen, letzteres vor allem im Nutzgarten. Karenzzeit bedeutet: Wie lange müssen Sie nach Anwendung eines Präparates gegen Blattläuse warten, bis Sie die behandelte Pflanze in Küche und Keller unbedenklich verwenden können. Angaben dazu finden Sie auf dem Beipackzettel des Präparates. Keine oder nur kurze Karenzzeiten können Sie erwarten bei naturnahen Wirkstoffen (z.B. Kaliseifen oder natürlich vorkommenden Ölen) in Pflanzenschutzmitteln, wie sie z. B. von Herstellern wie Neudorff zur Verfügung stehen, mit Präparaten wie beispielsweise Neudosan Neu Blattlausfrei, Spruzit Schädlingsfrei, Raptol SchädlingsSpray. Näheres dazu berät der Pflanzenschutzmittel führende Fachhandel.

Großvaters Gartentricks – nicht alle sind mehr zeitgemäß

Früher, als man noch Tabak rauchte, nahm Großvater seine Zigarrenstumpen und legte sie über Nacht in Wasser ein. Den daraus resultierenden Sud verdünnte er mit etwas Wasser und spritzte diese Brühe gegen Blattläuse. Weil aber Nikotin ein hochwirksames Nerven- und Herzgift ist, ist diese „ Großvatermethode“ heute, laut Pflanzenschutzmittelgesetzt, nicht mehr zulässig und wurde auch ehedem allein auf Zier- und niemals auf Nutzpflanzen angewendet.
Was wir aber aus Großvaters Garten durchaus noch lernen können ist, Nützlinge zu fördern. Dazu zählt, Singvögel durch das Anbringen von Nisthilfen (z. B. für Meisen) oder das Belassen von Nistnischen (z. B. für Gartenrotschwanz) zu fördern. Selbst Sperlinge, die als so genannte Saatenschädlinge im Gemüsegarten von Großvater ungern gelitten waren, sind hervorragende Blattlausvertilger während der Zeit ihrer Jungenaufzucht.
Nützlinge zu fördern bedeutet aber auch, Nutzinsekten zu fördern. Durch den Anbau von Korbblütlern im Garten etwa, fördern Sie Schwebfliegen. Diese ernähren sich von Pollen der Korbblütler und legen andererseits ihre Eier bei Blattläusen ab, welche dann durch die schlüpfenden Larven der Schwebfliegen gefressen werden. Wie Schwebfliegen nützlich sind ferner zum Beispiel Marienkäfer, Florfliegen, Gallmücken und Schlupfwespen.

Clever kombiniert

Durch die geschickte Kombination von weitestgehend Vorbeugung bis nötigenfalls Bekämpfung der Blattläuse im Garten, lässt sich’s also im Garten durchaus mit dem jetzt wieder zunehmenden Befallsdruck durch diese Insekten leben. 

Böse Zungen behaupten im Hinblick auf die wenigen dann dennoch im Garten verbleibenden Blattläuse, dass es gar eine doppelte Ursache gäbe, den frischen Salat aus dem eigenen Garten mit dem klein geschnittenem Laub des Dills zu würzen: Zum einen schmecke es besser – und zu anderen sähe man dann die Blattläuse im Salat nicht mehr so sehr …

Kommentare

Holen Sie sich inspirierende Gartentipps. Newsletter bestellen